Brief an meine Große

Ich weiß du glaubst du hast es schwer. Ich weiß du fühlst es. Und ich weiß, dir ist etwas passiert, was niemals einem Kind je passieren sollte. Ich weiß du hast ne scheiß Wut in Dir! Ich bitte dich um eines, Du kannst nicht verurteilen oder Wut empfinden, dich verloren fühlen, ungeliebt. Wenn allein DU dich zurück ziehst. Wenn du die Therapie nicht nutzt. Wenn du nicht bei uns sein willst. Wenn wir nicht helfen dürfen, weil du dich unter Druck gesetzt fühlst. Du glaubst, ich weiß nicht was du durchmachst, aber ich denke ich kann es nachvollziehen. Mein Leben fing ab der ersten Sekunde an „anders“ zu sein. Ich hatte ab der ersten Sekunde, niemals eine Chance „normal“ zu leben. Ich bin behindert auf diese Welt gekommen. Ich bin so oft operiert worden, als Kind, dass meine Mutter nicht mehr zählen konnte. Ich war beinahe die ersten 2 Lebensjahre im Krankenhaus. Ich bin wochenlang allein im Krankenhaus gewesen. Ich hatte keine Chance Urvertrauen zu entwickeln, ich hatte keine Chance zur Familie zu gehören. Bis heute. Ich wurde im Genitalbereich mehrfach von Fremden angefasst, ich wurde dort genau angeschaut. Mir wurden Eisenstäbe in diesen Bereich eingeführt. Dicke und dünne Finger um zu fühlen. Ich hatte unzählige Einläufe, glaub mir heute sind die Pipifax. Oft war ich war allein in einem großen kalten Raum, bekam Kontrastmittel fürs Röntgen und danach saß ich ewig auf einem 10l Eimer und sollte abführen. Und meine Eltern saßen daneben und sagten: „Stell dich nicht so an, die meinen es ja nur gut“. Ich war ein Baby. Ich war ein Kleinkind. Ich durfte teilweise nicht allein auf die Toilette, denn man muss ja sehen, was da so kommt. Ich habe Windel getragen, die komplette Grundschule durch.. und bis ich 15 war noch nachts. Ich wurde gehänselt. Ich hatte keine Freunde. Meine Eltern logen mich an, jedesmal, wenn ich wieder ins Krankenhaus musste. „Wir fahren zu Oma“ und dann ließen sie mich im Krankenhaus allein. Man roch an meinem Po, ob ich mich auf die gute Couch setzen durfte. Ich war im Hintergrund. Meine große Schwester und ich hatten oft dieselben Kleider. Sie in rosa ich in blau. Sie einen Bikini ich einen Badeanzug. Ich habe zwei Schwestern. Eine ist super sportlich, eine erfolgreich. Ich machte die Hausaufgaben der Großen, ich aß die Dinge, die sie nicht mochte. Ich bekam keinen Nachtisch. Ich war auf dem Gymnasium, nicht jemand anderes, aber die Anderen bekamen das Lob. In der Pubertät habe ich immer Angst gehabt, dass ich in die Hose machen würde. Intim werden war der Horror und ist bis heute schwierig. Ich war nie gut genug, es war niemals jemand stolz. Es sind so viele Verletzungen die ich bis heute verarzten muss. Verzweiflung, Wut, Angst, nicht gut genug, Leere, Depression. Es gab Zeiten, da wollte ich sterben. Ich habe mich verletzt, aber so, dass es niemand bemerkte. Ich habe mich gequält jeden Tag. Und dabei wollte ich nur gesehen werden. Anerkannt. Geliebt. Mein Schatz, du wirst gesehen, du bist anerkannt, du wirst geliebt! Bitte sieh es. Ich weiß, wie du dich fühlst, Aber du bist NICHT allein!

Veröffentlicht von Chaleni

Momof2

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